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Experimente in Projektion - Chemie en miniature

Hydrolyse der isomeren Butylbromide

Lernziel: Nucleophile Substitution - SN1 und SN2

Peter Keusch




English version




Chemikalien:
1-Brombutan  (d = 1.2785)
2-Brombutan  (d = 1.2585)
2-Brom-2-methylpropan  (d = 1.2209)
80-proz. Ethanol
0.2-proz. Lösung von Bromthymolblau in 80-proz. EtOH
0.1 N NaOH
Reagenslösung:  50 mL 80-proz. Ethanol  +  1 mL 0.2-proz. Lösung von Bromthymolblau in 80 proz. Ethanol  +  0.4 mL 0.1 N NaOH

Liegen die Butylbromide nicht farblos vor, so müssen sie destilliert werden (1-Brombutan, Sdp. 101.6 °C; 2-Brombutan, Sdp. 91.2 °C;
2-Brom-2-methylpropan, Sdp. 73.3 °C). Die Butylbromide sind in braunen Schlifffläschchen aufzubewahren.


Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen:

Die isomeren Butylbromide schaden der Gesundheit, sofern sie eingeatmet oder verschluckt werden. Sie reizen Haut und Augen.
Ethanol ist leicht entzündlich.

Schutzbrille, Schutzhandschuhe und gute Raumdurchlüftung erforderlich.


Versuchsdurchführung:

Das Küvettenwasser hat eine Temperatur von 60 °C. In drei Reagenzgläsern werden je 1 mL der blauen Reagenslösung vorgelegt. Anschließend bringt man mit einer Eppendorf-Pipette jeweils 50 mL Alkylhalogenid in R1, R2 und R3 ein, stellt in jedes Reagenzglas eine Pipette und mischt die Lösungen gleichzeitig durch.


R1 1-Brombutan
R2 2-Brombutan
R3   2-Brom-2-methylpropan  


Versuchsergebnis:

R1 nach 5 Minuten
nach 8 Minuten
nach 40 Minuten
  blaugrün  
grün
gelb
R2 nach 60 Sekunden
 nach 90 Sekunden  
grün
gelb
R3 sofort gelb


Foto1
Bild 1

Foto2
Bild 2






















Deutung des Versuchsergebnisses:

·   Bromthymolblau (Umschlagbereich: pH 6.0-7.8) ist ein Säure-Base-Indikator, der im alkalischen Medium eine blaue, im neutralen Medium eine grüne und in saurem Medium eine gelbe Farbe besitzt.

·   Das Umschlagen des Indikators, bedingt durch den freigesetzten Bromwasserstoff, gestattet die unterschiedliche Reaktivität der Alkylhalogenide nachzuweisen. In der Reihenfolge   1-Brombutan   <   2-Brombutan   <   tert-Butylbromid  steigt die Geschwindigkeit, mit der die C - Br -Bindung heterolytisch gespalten wird. Bei gleichem Nucleophil und identischer nucleofuger Gruppe beeinflußt somit die unterschiedliche Konstitution die Geschwindigkeit der SN-Reaktion.

Anhand mechanistischer Untersuchungen läßt sich beweisen:

·   Die Hydrolyse des primären Alkylhalogenids erfolgt nach dem  SN2 - Mechanismus .  Die Reaktion ist bimolekular, d.h. zwei Moleküle sind am geschwindigkeitsbestimmenden Schritt beteiligt. Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt sowohl von der Konzentration des Alkylhalogenids (R - X) als auch der Konzentration des Nucleophils (Nu) ab:
v = k [ R - X ] [ Nu ].

Gleichung


Bei einer  SN2 - Reaktion  (bimolekulare nucleophile Substitution) greift das Nucleophil von der Rückseite (bezogen auf die Position der Abgangsgruppe) an. Die Reaktion ist konzertiert - Bindungsbildung und Bindungsbruch erfolgen simultan. Das angreifende Nucleophil ersetzt die Abgangsgruppe in einem Schritt. Der "pentakoordinierte" Übergangszustand stellt eine trigonale Bipyramide dar. Nucleophil und Abgangsgruppe sind jeweils an den Spitzen der Pyramide angeordnet, während sich die restlichen Substituenten an den Ecken der trigonalen Grundfläche befinden. Die Spaltung der Bindung zur austretenden Gruppe erfolgt in dem Maße, wie sich die neue Bindung zum Nucleophil formt. Die Folge ist eine Inversion der Konfiguration am zentralen Kohlenstoffatom (bei chiralen Molekülen:  Walden-Umkehr),  was mit dem Umklappen eines Regenschirmes verglichen werden kann  (1).

·   Das tertiäre Halogenid reagiert mit Wasser nach dem SN1 - Typ. Die Reaktion ist unimolekular - nur eine Spezies ist am geschwindigkeitsbestimmenden Schritt beteiligt. Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt nur von der Konzentration des Alkylhalogenids (R - X) ab: v = k [ R - X ].



Die  SN1 - Reaktion  (monomolekulare nucleophile Substitution) umfasst zwei Schritte. In einem ersten langsamen, geschwindigkeitsbestimmenden Schritt erfolgt die Bildung eines trigonal-planaren Carbokations. Im zweiten Schritt reagiert das Carbokation schnell mit dem Nucleophil. Je stabiler das Carbokation ist, desto leichter wird es gebildet und desto schneller ist die SN1 - Reaktion. Das Nucleophil kann von beiden Seiten (mit annähernd gleicher Wahrscheinlichkeit) das planare Carbokation angreifen  (2).  Folglich führt die  SN1 - Reaktion  zu einer Racemisierung, in der sowohl Retention als auch Inversion der Konfiguration an einem chiralen Zentrum in gleichem Ausmaß erfolgen. Es entsteht ein Gemisch von zwei Enantiomeren (Spiegelbildisomeren).

·   Beim sekundären Brombutan hängt der Mechanismus der Hydrolyse sehr stark von den Reaktionsbedingungen ab.


Hinweise:
    Hydrolyse der isomeren Butylbromide
    Reaktion der isomeren Butylbromide mit AgNO3
    Hydrolyse der tertiären Butylhalogenide
Holger Schickor   Nukleophile Substitution nach SN2 - Animation
Rod Beavon   SN1 Nucleophilic Substitution bimolecular - Animation


Allgemeine Instruktionen zur Versuchsdurchführung und Auflistung der Experimente (Download)






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