| Experimente in Projektion - Chemie en miniature
Peter Keusch |

Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen:
Schutzbrille, Schutzhandschuhe und gute Raumdurchlüftung erforderlich. Die Bereitung der alkoholischen Lösungen von Anilin, N,N-Dimethylanilin, 1-Naphthylamin und Phenol hat im Abzug zu erfolgen! Versuchsdurchführung: 1. In einem Vorversuch wird der einfachste Azofarbstoff, das p-Aminoazobenzol vorgestellt. In zwei Reagenzgläser (R1, R2) werden zu 0.5 mL der ethanolischen Anilin - Lösung 0.5 mL NaNO2 - Lösung gegeben. R1 versetzt man mit 2, R2 mit vier Tropfen konz. HCl.
2. Die ethanolischen Lösungen von Anilin, N.N-Dimethylanilin und 1-Naphthylamin) werden mit der Reagenslösung (diazotierte Sulfanilsäure) versetzt. Zu den Farbstofflösungen gibt man anschließend konz. Salzsäure.
3. Die ethanolischen Lösungen von Phenol und der angeführten Naphthole werden Reagenslösung und anschließend mit Natronlauge versetzt.
| ![]() Versuchsergebnis: 1. Die ethanolische Lösung des diazotierten Anilins in R1 färbt sich nach Zugabe von 2 Tropfen konz. HCl sofort gelb. In R2 färbt sich die Lösung nach Zugabe von 4 Tropfen konz. HCl orangerot. 2. Kupplung der diazotierten Sulfanilsäure mit Anilin, N,N-Dimethylanilin und 1-Naphthylamin
3. Kupplung der diazotierten Sulfanilsäure mit Phenol und den Naphtholen:
Deutung des Versuchsergebnisses: · Im Vorversuch entsteht zunächst das Diazoaminobenzol, das sich zum p-Aminoazobenzol umlagert. Anilingelb ist der erste Azofarbstoff, der in den Handel kam (1864). · Mit Phenol und den Naphtholen reagiert die diazotierte Sulfanilsäure (1) unter Bildung saurer Azofarbstoffe (2). ![]() ![]() · Die Geschwindigkeit der Kupplungsreaktion ist von den an den Benzolkernen haftenden Substituenten abhängig. Elektronenliefernde Gruppen (- NH2, - N(R)2, - OH) der Kupplungskomponente und elektronenziehende Gruppen (- NO2, - SO3H) der Diazokomponente erhöhen die Kupplungsfähigkeit, da einerseits die Elektronendichte im Kern der Kupplungskomponente erhöht wird und auf der anderen Seite das endständige Stickstoffatom der Diazokomponente eine Positivierung erfährt. · Bei Zugabe von Natronlauge ändern die Lösungen der sauren Azofarbstoffe ihre Farbe (3). Der Übergang der phenolischen bzw. naphtholischen Hydroxylgruppe in die Phenolat- bzw. Naphtholatgruppe bedingt einen farbvertiefenden Effekt (Bild 3). Analog bedingen Säuren bei basischen Azofarbstoffen einen bathochromen Effekt (Bild 1). So schlägt z.B. die gelbe Farbe von Methylorange im sauren Medium nach Rot um (4).
· 2-Naphthol-orange ist ein viel gebrauchter Monoazofarbstoff, da er sowohl Wolle direkt wie auch mit Metallhydroxiden gebeizte Baumwolle färbt. Die Sulfonsäuregruppe hat auf die Farbe keinen Einfluss. Sie macht den Farbstoff jedoch wasserlöslich und befähigt ihn zum Anfärben der Faser. · Methylorange benutzt man als Indikator in der Acidimetrie; wegen der Säureempfindlichkeit findet es in der Färberei keine Verwendung. Hinweis: Allgemeine Instruktionen zur Versuchsdurchführung und Auflistung der Experimente (Download) |