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Computergestützte Experimente - Messung: Leitfähigkeit

Enzymkinetik
Enzymatische Spaltung von Harnstoff mit Urease

Ziele: Ermittlung des Temperaturoptimums, der Michaeliskonstanten Km und der maximalen Geschwindigkeit Vmax, kompetitive Hemmung

Peter Keusch



Messwerterfassung mit dem Programm CHEMEX und dem Analog-Digital-Wandler CHEMBOX
IBK electronic + informatic


English version




Chemikalien:
Harnstoff  (M = 60.06 g / mol)
Thioharnstoff  (M = 76.13 g / mol)
Urease

Geräte und Glaswaren:
2 Magnetrührer
4 Magnetrührstäbchen
Rührstabentferner
Kristallisierschale d = 190 mm, h = 90 mm  (für Wasserbad)
Kristallisierschale d 140 mm, h = 75 mm  (für Wasserbad)
100 mL Dreihalsrundkolben mit 2 schrägen Seitenhälsen, Haupthals NS 29/32, Seitenhälse 14/23
6 Bechergläser 100 mL
1000 mL Messkolben
2 Kontaktthermometer
Temperatursonde
Leitfähigkeitsprüfer
Vollpipette 10 mL
Vollpipette 100 mL
2 Peleusbälle


Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen:

Thioharnstoff erweist sich als gesundheitsschädlich beim Einatmen, Verschlucken und bei Berührung mit der Haut. Irreversibler Schaden möglich. Giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern lägerfristig schädliche Wirkungen haben. Kann beim Menschen vermutlich Krebs erzeugen und ist möglicherweise fruchtschädigend.

Haut- und Augenkontakt vermeiden. Schutzbrille, Schutzhandschuhe und gute Raumdurchlüftung erforderlich. Substanz darf nicht in die Kanalisation gelangen.


Theoretische Grundlagen:


Gleichung


Harnstoff wird durch das Enzym Urease in Ammoniak und Kohlendioxid gespalten. Folglich kann die Reaktion durch Leitfähigkeitsmessung verfolgt werden. Die Leitfähigkeit is proportional zur Konzentration der bei der Reaktion entstehenden Ionen.


Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)


Vorbereitung der Lösungen:

Herstellung der Harnstofflösungen: 1.2 g Harnstoff werden in einen 1000 mL Messkolben gegeben und dieser bis zur Eichmarke mit dest. Wasser aufgefüllt. Die Konzentration der Harnstofflösung beträgt 2 · 10 -2 mol / L. Durch entsprechendes Verdünnen der Stammlösung werden 1.5 · 10 -2,  10 -2,  7 · 10 -3  und  4 · 10 -3 molare Lösungen hergestellt.

Herstellung der Ureasesuspension: In einem 100 mL Becherglas werden 100 mg Urease unter Rühren in 50 mL Wasser soweit wie nöglich gelöst. Da das Enzym bei 40 °C zu denaturieren beginnt, sollte man bei höheren Reaktionstemperaturen die Ureasesuspension jeweils frisch herstellen.












 Versuchsaufbau

Abb. 1: Veruchsaufbau


Experiment 1: Ermittlung des Temperaturoptimums und der Aktivierungsenergie

Versuchsdurchführung:

Neben dem Leitfähigkeitsprüfer  (1)  ist auch eine Temperatursonde  (2)  über den Eingang Sensor1 an die CHEMBOX angeschlossen  (Abb. 1).

Im Programm 'Chemex' wird die Messdauer mit 120 s und der Messbereich mit 0 bis 200 ms fixiert.In ein Wasserbad taucht ein Dreihalskolben. Der Kolben wird mit 100 mL Harnstofflösung ( cS = 10 -2 mol / L ) beschickt. Die beiden Sensoren werden so justiert, dass ihr Ende zumindest 1 cm in die Lösung eintaucht. Mit Hilfe des Magnetrührers, eines Kontaktthermometers und des Wasserbades bringt man die Harnstofflösung auf die gewünschte Reaktionstemperatur (20, 30, 40, 50, 60 °C). Auch die Ureasesuspension wird in einem Becherglas auf die entsprechende Temperatur erwärmt  (Abb. 1).  Nach Temperaturkonstanz werden in die Harnstofflösung 10 mL Ureaselösung pipettiert und die Messung sofort gestartet. Ab einer Reaktionstemperatur von 40 °C ist eine frisch bereitete Ureasesuspension zu verwenden.

Die Änderung der Leitfähigkeit kann auf dem Messbildschirm verfolgt werden  (Abb. 2).


Messbildschirm
Abb. 2: Messbildschirm    Leitfähigkeitskurve  (T = 20 °C    cS = 10 -2 mol / L)


Versuchsauswertung:

Die Messdaten werden in Microsoft Excel importiert und hier ausgewertet.


Temperatur
Abb. 3: Leitfähigkeitskurven (cS = 10 -2 mol / L)
T = 20°C   (1)      30 °C   (2)      40   °C   (3)      50 °C   (4)     und     60 °C   (5)


Temperatur [ °C ] 20 30 40 50 60
k [ mS · s -1 ] 0.000793 0.001515 0.002481 0.003865 0.003097
v [ mS · min -1 ] 0.04758 0.0909 0.14886 0.2319 0.18582
Tab. 1: Reaktionsgeschwindigkeit v


Temperaturoptimum
Abb. 4: Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Temperatur  (cS = 10 -2 mol / L)


Für den Tenperaturbereich 30 - 50 °C  (Tab. 1)  beträgt die Aktivierungsenergie  38.1 kJ · mol-1   und die Aktivierungsenthalpie  35.5 kJ · mol-1. Die Aktivierungsparameter errechnen sich gemäß Arrhenius - bzw. Eyring - Gleichung aus der Steigung  m  der jeweiligen Geraden in den Auftragungen von  lnk  bzw.  lnk/T  gegen  1/T  (Abb. 5):

E a  =  - m  ·  R =  4588,4  ·  8.3144  =  38.1 kJ · mol-1
DH   =  4275,5   ·  8.3144  = 35.5 kJ · mol-1



Abb. 5: ARRHENIUS- (1) und EYRING-Plot (2)


Deutung des Versuchsergebnisses:

Auch bei enzymkatalysierten Reaktionen wird die Reaktionsgeschwindigkeit mit steigender Temperatur erhöht. Allerdings nimmt nach Erreichen eines Temperaturoptimums die Reaktionsgeschwindigkeit infolge Denaturierung des Enzyms ab. Menschliche Enzyme besitzen ein Temperaturoptimum, das zumeist bei 37 °C (Körpertemperatur) angesiedelt ist. Das vorliegende Experiment zeigt, dass das Temperaturoptimum der Urease bei etwa 50 °C liegt. Über 50 °C beginnt das Enzym zu denaturieren. Die Enzymaktivität wird eingeschränkt.

Für die nicht katalysierte Spaltung von Harnstoff in Wasser verläuft äußerst langsam und benötigt eine Aktivierungsenergie von etwa  130 kJ, während sich in Gegenwart von gelöster Urease die Aktivierungsenergie auf etwa
 42 kJ  erniedrigt.



Experiment 2: Ermittlung der Michaeliskonstanten Km und der maximalen Reaktionsgeschwindigkeit vmax

Um die kinetischen Parameter  Km  and  Vmax  zu ermitteln ist es notwendig die Geschwindigkeit der Enzymreaktion bei verschiedenen Substratkonzentrationen zu messen. Dabei werden Enzymkonzentration und die übrigen Bedingungen konstant gehalten.

Versuchsdurchführung:

100 mL Harnstofflösung werden mit 10 mL Ureasesuspension bei 40 °C und 50 °C umgesetzt. Es kommen folgende Substratkonzentrationen zum Einsatz: cS  =  4 · 10 -3,    7 · 10 -3    und  10 -2 mol / L.

Versuchsauswertung:


Substratkonzentration
Abb. 6: Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Substratkonzentration  (T = 50 °C)
cS = 4 · 10 -3   (1)      7 · 10 -3   (2)       10 -2 mol / L   (3)


cS [ mol · L -1 ] 4 · 10 -3 7 · 10 -3 10 -2
k [ mS · s -1 ] 0.001868 0.002934 0.003865
v [ mS · min -1 ] 0.11208 0.17604 0.2319
Tab. 2: Reaktionsgeschwindigkeit v bei 50 °C

cS [ mol · L -1 ] 4 · 10 -3 7 · 10 -3 10 -2
k [ mS · s -1 ] 0.001214 0.001934 0.002481
v [ mS · min -1 ] 0.07284 0.11658 0.14886
Tab. 3: Reaktionsgeschwindigkeit v bei 40 °C


Gemäß  Gleichung (11)  Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)  erfolgt die Auftragung von  1 / v  gegen  1 / cS   (Abb. 7).  Trägt man die Geschwindigkeitkonstanten  k  und die entsprechenden Substratkonzentrationen  cS  in die Tabelle der Excel-Datei   Lineweaver-Burk (Download)  ein  (Tab. 4),  so werden die Werte für die Michaeliskonstante  Km  und die maximale Reaktionsgeschwindigkeit  vmax  errechnet.


Excel Datei
Tab. 4: Excel Datei     Ermittlung von  Km  und  vmax


Lineweaver-Burk
Abb. 7: Auftragung nach Lineweaver-Burk     T = 50 °C  (1)     T = 40 °C  (2)


Für die Michaeliskonstante  Km  ergab sich ein Wert von  2.41 · 10 -2 [ mol · L -1 ]  (Lit.: 2.5 · 10 -2 ).
Die maximale Reaktionsgeschwindigkeit  vmax  beträgt bei 40 °C  0.5118 [ mS · min -1 ]  bzw.   0.7868 [ mS · min -1 ]  bei 50 °C.


Die Michaeliskonstante  Km  gibt den Wert für die Substratkonzentration an, bei der die Reaktionsgeschwindigkeit v der halbmaximale Reaktionsgeschwindigkeit  vmax / 2  entspricht  ( Abb. 8). Dementsprechend ermöglicht die Kenntnis von Km gemäß  ƒES = v / vmax  die Ermittlung der prozentualen Anteile der besetzten Zentren für die einzelnen Substratkonzentrationen  ( Abb. 9).


cS [ mol · L -1 ] 4 · 10 -3 7 · 10 -3 10 -2 1.5 · 10 -2 2 · 10 -2 2.41 · 10 -2  =  Km
v [ mS · min -1 ] 0.11208 0.17604 0.2319 0.30174 0.37148 0.3934
v / vmax 0.14245 0.22374 0.29474 0.38350 0.47214 0.5
Tab. 4: Anteile der besetzten aktiven Zentren  ƒES  =  v / vmax    (T = 50 °C)


KM
Abb. 8: Reaktionsgeschwindigkeit als Funktion der Substratkonzentration    (T = 50 °C)


besetzte Zentren
Abb. 9: Prozentuale Anteile der besetzten aktiven Zentren  ƒES  =  v / vmax    (T = 50 °C)



Experiment 3: Kompetitive Hemmung mit Thioharnstoff

Versuchsdurchführung:

Um die kompetitive Hemmung zu erfassen, werden 100 mL einer Lösung eingesetzt, die sowohl bezüglich der Harnstoffkonzentration als auch bezüglich der Thioharnstoffkonzentratin äquimolar ist. Auch bei diesem Experiment kommen die Konzentrationen cS  =  4 · 10 -3,  7 · 10 -3  und   10 -2 mol / L zum Einsatz. Jeweils 50 mL der Lösungen von Harnstoff und Thio-harnstoff entsprechender Konzentration werden miteinander vermischt und mit 10 mL Ureasesuspension versetzt.

Versuchsauswertung:


Kompetitive Hemmung
Abb. 10: Kompetitive Hemmung     Spaltung von Harnstoff bei Gegenwart von Thioharnstoff  (T  =  50°C)
cS  =  4 · 10 -3   (1)      7 · 10 -3   (2)      10 -2 mol / L   (3)


Lineweaver-Burk
Abb. 11: Auftragung nach Lineweaver-Burk     Kompetitive Hemmung
1: Harnstoff     2: Harnstoff + Thioharnstoff


Harnstoff und Thioharnstoff konkurrieren um das aktive Zentrum. Während  vmax  konstant bleibt  ( vmax'  =  vmax ) , erfährt der Wert für  Km   bei Anwesenheit von Thioharnstoff eine Verdoppelung. Die Affinität des Enzyms zum Harnstoff ist um die Hälfte reduziert.


Hinweis:
Computergestützte Experimente   Enzymkinetik: Enzymatische Spaltung von Wasserstoffperoxid mit Katalase
  Demonstrationsexperiment auf Video  Spaltung von Harnstoff mit Urease


Liste der Chembox-Experimente







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