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Computergestützte Experimente - Messung: Absorption

Reaktionskinetik
Entfärbung der Triphenylmethanfarbstoffe - eine Reaktion pseudo-erster Ordnung

Ziel: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten und der Aktivierungsparameter

Peter Keusch



Messwerterfassung mit dem Programm CHEMEX und dem Analog-Digital-Wandler CHEMBOX
IBK electronic + informatic





English version



Chemikalien:
5 · 10 -5 M wässerige Fuchsin-Lösung  (17 mg Fuchsin gelöst in 1000 mL H2O)
5 · 10 -5 M wässerige Kristallviolett-Lösung  (21 mg Kristallviolett gelöst in 1000 mL H2O)
5 · 10 -5 M wässerige Malachitgrün-Lösung  (18 mg Malachitgrün gelöst in 1000 mL H2O)
0.1 M NaOH

Geräte und Glaswaren:
Magnetrührer
Magnet-Rührstäbchen
Rührstabentferner
Kristallisierschale 140 × 75  (für Wasserbad)
Kontaktthermometer
Thermometer 0 - 50 °C, in 0.1 °C eingeteilt
4 Vollpipetten 2 mL
Peleusball
Fotometer mit Schreiberausgang
Rundküvetten
Entsorgungskanister


Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen:

Kristallviolett steht im Verdacht krebserregend zu sein. Es ist ein starkes Augenreizmittel und ist schädigend bei Inhalation, Einnahme und Hautkontakt.
Malachitgrün ist gesundheitsschädigend beim Verschlucken und bei Haurkontakt. Reizt die Augen.

Schutzbrille und Schutzhandschuhe erforderlich. Die Bereitung der Triphenylmethanfarbstoff-Lösungen erfolgt im Abzug.







Theoretische Grundlagen:

Die Triphenylmethanfarbstoffe sind in Wasser lösliche Salze, die ein farbiges Kation aufweisen. Bei Addition von Hydroxid an das zentrale C-Atom des Chromophors wird das System der konjugierten Doppelbindungen unterbrochen und eine farblose Carbinolase gebildet.


Gleichung

Abb. 1: Entfärbung von Kristallviolett


Da die Absorption des farbigen Triphenyl-Kations direkt proportional zu seiner Konzentration ist, kann der Reaktionsablauf anhand fotometrischer Messungen verfolgt werden.

Sowohl bezüglich der Farbstoff- als auch der Hydroxid-Konzentration ist die Reaktion erster Ordnung.

Die folgenden Experimente werden unter den Bedingungen einer Reaktion pseodo-erster Ordnung durchgeführt: Einer der beiden Reaktionspartner (Hydroxid) liegt im Überschuss vor.


Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)


Kalibrierung des Fotometers und Anpassung des Programms Chemex erfolgen in Analogie zu der im Experiment  Bromierung reaktiver Aromaten  beschriebenen Verfahrensweise.

Folgende Absorptionsmaxima werden berückdichtigt: für Fuchsin 545 nm, für Kristallviolett 590 nm und für Malachitgrün 620 nm (siehe   Absorptionsmaxima der Triphenylmethanfarbstoffe


Versuchsdurchführung:

Versuchsaufba
Abb. 2: Versuchsaufbau
In eine Küvette werden 2 mL der Trighenylmethanfarbstoff-Lösung pipettiert. In eine zweite Küvette gibt man 2mL 0.1 M NaOH. Die beiden Küvetten werden anschließend mit Stativklammern in einem Wasserbad gehaltert, in das ein Kontaktthermometer und ein Thermometer mit 1/10°C - Einteilung eintaucht  (Abb. 2).  Um Reaktionstemperaturen unterhalb der Raumtemperatur zu erhalten, wird dem Wasserbad Eis hinzugefügt

Die beiden Lösungen werden auf die gewünschte Temperatur gebracht. Nach einem 15 minütigem Temperaturangleich notiert man die Reaktionstemperatur auf 1/10 °C.

Die Natronlauge wird zügig zu der Lösung des Triphenylmethanfarbstoffs gegossen. Die Küvette wird kurz geschüttelt, mit Papier gut abgetrocknet, in den Strahlengang des Fotometers gebracht und die Messung gestartet. Der Messtakt beträgt 1 Sekunde.

Auf dem Messbildschirm kann sowohl der Verlauf der Transmission als auch der Extinktion verfolgt werden.

Es empfehlen sich folgende Temperaturbereiche: Für die Entfärbung von Malachitgrün 17 - 25 °C, von Fuchsin 20 - 26 °C, von Kristallviolett 39 - 49 °C. Um die Bestimmung der Aktivierungsparameter zu ermöglichen, wird die Reaktion jeweils bei drei verschiedenen Temperaturen untersucht.

Eine Ermittlung der Reaktionsgeschwindigkeit in situ auf der Basis einer kontinuierlichen Erfassung fotometrischer Daten ist nur in schnell ablaufenden Reaktionen möglich (siehe geforderte Temperaturkonstanz).



Versuchsauswertung:

Auswertung der bei der Entfärbung der Triphenylmethanfarbstoffe mit der CHEMBOX erfassten Messdaten in Microsoft Excel - Ermittlung der Geschwindigkeitskonstante k und der Aktivierungsparameter

Nach Fertigung des Diagramms der Auftragung von  E  gegen  t  (Abb. 3)  erstellt man im Tabellenblatt  (Tab. 1)  einen Block, der die Auftragung von    gegen  t  ermöglicht  (Abb. 4).


Excel
Tab. 1: Malachitgrün    Messwerte E (t)    Berechnung von -lnE


Extinktion
Abb. 3: Malachitgrün    Temperatureffekt
1:  17 °C     2:  21.1 °C     3:  25°C


Proportionalitätskonstante k' (1
Abb. 4: Malachitgrün    Ermittlung der Proportionalitätskonstanten k'   1: 17°C   2: 21.1°C   3: 25°C


Die Proportionalitätskonstante  k'  resultiert gemäß  Gleichung (10)   Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)  aus der Auftragung von -lnE gegen t. Bis zu einem Reaktionsumsatz von 80 bis 90% ist durch die Messpunkte eine Ausgleichsgerade gelegt.

Messung
T [ °C ]
k' [ s-1 ]
k [ L · mol -1 · s -1 ]
1
17
0.0448
0.896
2
21.1
0.0599
1.198
3
25
0.0811
1.622
Tab. 2: Berechnung der Geschwindigkeitskonstanten k
(Gemäß Reaktionsansatz gilt: k  =  k' / 0.05)


Trägt man die Geschwindigkeitkonstanten und die entsprechenden Reaktionstemperaturen in die Tabelle der Excel-Datei  Aktivierungsparameter (Download)  ein, so werden alle Aktivierungsparameter  (Tab. 4)  errechnet und in einem Diagramm die Auftragungen nach ARRHENIUS und EYRING  (Abb. 5)  realisiert.


Aktivierungsparameter
Tab. 3: Berechnung der Aktivierungsparameter


ARRHENIUS und EYRING
Abb. 5: ARRHENIUS- (1) und EYRING-Plot (2)



Unter den beschriebenen Bedingungen werden auch Fuchsin und Kristallviolett mit Natronlauge umgesetzt und die Aktivierungsparameter bestimmt.

Messung

Malachitgrün

Fuchsin
Kristallviolett
Ea [ kJ · mol -1 ]
53.3
53.7
57.6
lnA
21.99
21.86
21.39
DH [ kJ · mol -1 ]
50.9
51.2
54.9
DS [ J · mol -1· K -1 ]
- 70
- 71
- 76
DG [ kJ · mol -1 ]
bei 298.15 K
71.8
72.4
77.5
Tab. 4: Aktivierungsparameter im Vergleich


Deutung des Versuchsergebnisses:



Abb. 6: Kristallviolett  (1)     Fuchsin  (2)     Malachitgrün  (3)


Durch Reaktion des zentralen C-Atoms mit dem Nucleophil OH- wird das verzweigte chromophore Tritylsystem unterbrochen (Abb. 1).


Abb. 4: Verdrillung der Phenylringe
sterische Abstoßung der ortho-ständigen Wasserstoffatome (blau)
Die geometrische Struktur des Triphenylmethyl-Systems scheint primär für die Geschwindigkeit verantwortlich zu sein, mit der Reaktionen am zentralen Kohlenstoffatom ablaufen.

·   Im Malachitgrün sind lediglich zwei der drei Phenylringe mit einer Dimethylaminogruppe substituiert. Die beiden substitutierten Ringe sind nahezu planar ausgerichtet. Der dritte Ring ist aus der Ebene der beiden koplanaren Ringe herausgedreht. Die partielle Planarität des Moleküls macht das zentrale C-Atom für den nukleophilen Angriff des Hydroxidions zugänglich.

·   Kristallviolett, auf der anderen Seite, reagiert mit Hydroxidionen wesentlich langsamer. Röntgenstrukturanalyen zeigen, dass die geometrische Struktur des Kristallvioletts (wie die des Fuchsins) einem 3-flügeligen Propeller ähnelt. Die Ebenen der Phenylringe sind aus einer Ebene herausgedreht, die vom zentralen C-Atom und seinen drei Bindungen festgelegt ist. Der dihedrale Winkel zwischen den Phenylringen und der Koordinationsebene beträgt 27.7°. Die Verdrillung der Phenylringe kann als Kompromiss zwischen der sterischen Behinderung ortho-ständiger H-Atome benachbarter Ringe und der eine planare Struktur begünstigenden maximalen Resonanzstabilisierung des ausgedehnten konjugierte p-Sytems angesehen werden. Aufgrund der propellerartigen Struktur ist der nukleophile Angriff auf das Reaktionszentrum sterisch behindert.





Hinweis:
Computergestützte Experimente Reaktionskinetik: Entfärbung von Phenolphthalein in alkalischem Medium
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