Chemikalien:
| 99-proz. 2-Chlor-2-methylpropan (M = 92.57 g / mol d = 0.84 g / mL)
| | 98-proz. 2-Brom-2-methylpropan (M = 137.03 g / mol d = 1.216 g / mL)
| | Aceton > 99.5 % (M = 58.08 g / mol d = 0.783 g / mL) | |
Geräte und Glaswaren:
| Magnetrührer
| | 2 Magnetrührstäbchen
| | Rührstabentferner
| | Kristallisierschale d = 190 mm, h = 90 mm (für Wasserbad)
| | Becherglas 200 mL
| | Kontaktthermometer
| | Leitfähigkeitsprüfer
| | Temperatursonde
| | Mikropipette
| | Vollpipette 10 mL,
| | Vollpipette 20 mL
| | Vollpipette 50 mL
| | 3 Peleusbälle | |
Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen:
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Tertiäre Butylhalogenide schaden der Gesundheit, sofern sie eingeatmet oder verschluckt werden und reizen Haut und Augen.
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Aceton ist leicht entzündlich. Reizt die Augen. |
Schutzbrille, Schutzhandschuhe und gute Raumdurchlüftung erforderlich.
Theoretische Grundlagen:
Die tertiären Butylhalogenide werden bereits durch Wasser hydrolysiert.
Die Reaktion kann folglich durch Leitfähigkeitsmessung verfolgt werden. Durch Bestimmung der Leitfähigkeit als Funktion der Zeit
lässt sich die Geschwindigkeitskonstante ermitteln.
Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)
Versuchsdurchführung:
Experiment 1: Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Polarität
des Lösungsmittels
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Abb. 1: Versuchsaufbau |
Neben dem Leitfähigkeitsprüfer (1) ist auch eine Temperatursonde (2) über den Eingang Sensor2 an die CHEMBOX
angeschlossen (Abb. 1).
In das Becherglas, das in das Wasserbad taucht, werden 100 mL 10 %ige wässerige Acetonlösung (90 mL dest. Wasser und 10 mL
Aceton) vorgelegt. Mit Hilfe des Magnetrührers und eines Kontaktthermometers wird das Wasserbad auf die Reaktionstemperatur von
ca 30 °C
gebracht. Nach Temperaturkonstanz werden dem Wasser/Aceton-Gemisch mit einer Mikropipette 88 mL
2-Chlor-2-methylpropan (0.8 mmol) unter kräftigem Rühren zugefügt und sofort die Messung gestartet.
Der Messtakt beträgt 1 s. Temperaturkonstanz und sich ändernde Leitfähigkeit können am Bildschirm verfolgt werden (Abb. 2). Ist die Messwertaufnahme beendet,
so wird die Messreihe gespeichert.
Wie beschrieben verfährt man mit einer 20, 30, 40 und 50 %igen wässerigen
Acetonlösung. |
Abb. 2: Echtzeit-Messung Hydrolyse von tert. Butylchlorid in einem Wasser/Aceton-Gemisch (Wasser :
Aceton = 9 : 1) T = 30.2 °C
Versuchsauswertung:
Auswertung der mit der CHEMBOX erfassten Messdaten in Microsoft Excel - Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten k
Abb. 3: Leitfähigkeitskurven Hydrolyse von tert. Butylchlorid
in 10 %iger (1) und 20 %iger Acetonlösung (2) T = 30.2 °C
Abb. 4: Leitfähigkeitskurven Hydrolsye von tert. Butylchlorid in 30 %iger (3), 40 %iger (4) und
50 %iger Acetonlösung (5) T = 30.2 °C
| Messung
| 1
| 2
| 3
| 4
| 5
| | Acetonkonzentration
| 10 %
| 20 %
| 30 %
| 40 %
| 50 %
| | k¥ [ mS ]
| 0.7832
| 1.0330
| 1.3790
| 1.3480
| 0.7589 |
Tab. 1:
k¥ = Leitfähigkeitswert am Reaktionsende
Abb. 5: Abhängigkeit von k¥
von der Acetonkonzentration
Nach Fertigung der Diagramme der Auftragung von k gegen t (Abb. 3, 4)
erstellt man entsprechend Kinetische Gleichungen
(Download PDF-Datei) im Tabellenblatt (Tab. 2) einen Block, der die Auftragung von
-ln (0.008 · (1 - k / k
¥))
gegen t und somit die Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten ermöglicht (Abb. 6).
Tab. 2: Messwerte k (t) Konversion gemäß y = -ln (0.008 ·
(1 - k
/ k¥))
Abb. 6: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten k y = -ln (0.008 · (1 - k
/ k¥))
| Messung
| 1
| 2
| 3
| 4
| 5
| | Acetonkonzentration
| 10 %
| 20 %
| 30 %
| 40 %
| 50 %
| | k [ s -1 ]
| 0.0215
| 0.0152
| 0.0091
| 0.0036
| 0.0015 |
Tab. 3: Geschwindigkeitskonstanten k
Abb. 7: Abhängigkeit der Geschwindigkeitskonstante k von der Acetonkonzentration
Deutung des Versuchsergebnisses:
Je polarer das Lösungsmittel um so schneller erfolgt die nucleophile Substitution. Der Grund liegt darin, dass polare
Lösungsmittel für zwei Effekte verantwortlich zeichnen:
· Sie stabilisieren die Carbokation-Zwischenstufe.
· Polare Lösungsmittel verhindern, dass Carbokation und nucleofuge Gruppewieder zusammenkommen
und dadurch der erste Reaktionsschritt der SN1 - Reaktion revidiert wird.
Im Bereich von 10 bis 30 %igem wässerigem Aceton nimmt die Reaktionsgeschwindigkeit linear mit der Acetonkonzentration ab.
Experiment 2: Einfluß der nucleofugen Gruppe auf die Reaktionsgeschwindigkeit
90 ml 2-Brom-2-methylpropan (0.8 mmol) werden in einem Wasser/Aceton-Gemisch (70 mL Wasser, 30 mL Aceton)
bei ca 30 °C hydrolysiert.
Abb. 8: Leitfähigkeitskurven Hydrolyse von tert. Butylchlorid (1) und tert. Butylbromid (2) in 30 %iger
Acetonlösung T = 30.2 °C
Abb. 9: Geschwindigkeitskonstanten k Hydrolyse von tert. Butylchlorid (1) und tert. Butylbromid (2) T = 30.2
°C
y = -ln (0.008 · (1 - k/ k¥))
Deutung des Versuchsergebnisses:
Das tertiäre Butylbromid reagiert viermal schneller als das tertiäre Butylchlorid.
· Im geschwindigkeitsbestimmenden Schritt der SN1 - Reaktion wird das Alkylhalogenid
(R - X) in ein positiv geladenes Carbokation und eine negativ geladene Abgangsgruppe gespalten. Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt
nicht nur von der Polarität des Lösungsmittels und der Stabilität des Carbokations ab, sondern auch von der Stabilität der
Abgangsgruppe. Je stabiler die Abgangsgruppe, desto leichter wird die R - X -Bindung gespalten und desto höher ist die
Reaktionsgeschwindigkeit. Konjugierte Basen von starken Säuren sind gute Abgangsgruppen. Obiges Experiment zeigt, dass Bromid eine
bessere Abgangsgruppe ist als Chlorid. Bromid ist eine schwächere Base als Chlorid. Die schwächere Base ist stabiler und wird
leichter gebildet.
Relative Hydrolysegeschwindigkeit von R - X (R = tertiäre Alkylgruppe)
X = J > Br > Cl
Anmerkung: SN1 - Reaktionen, in denen das Nukleophil auch das Lösungsmittel darstellt werden gemeinhin als
Solvolysen bezeichnet. In solchen Fällen liegt eigentlich eine Reaktion pseudo-erster Ordnung vor.
Hinweise:
Computergestützte Experimente Reaktionskinetik: Hydrolyse tertiärer Butylhalogenide -
eine Reaktion erster Ordnung
Experimente in Projektion Hydrolyse der tertiären Butylhalogenide
Demonstrationsexperiment auf Video
Hydrolyse der tertiären Butylhalogenide
Rod Beavon SN1 Nucleophilic Substitution unimolecular -
Animation
SN1 Mechanism / SN2
Mechanism
Liste der Chembox-Experimente
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