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Computergestützte Experimente - Messung: Leitfähigkeit

Reaktionskinetik
Hydrolyse tertiärer Butylhalogenide - eine Reaktion erster Ordnung


Ziel: Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Polarität des Lösungsmittels, Einfluß der nucleofugen Gruppe

Peter Keusch



Messwerterfassung mit dem Programm CHEMEX und dem Analog-Digital-Wandler CHEMBOX
IBK electronic + informatic


English version




Chemikalien:
99-proz. 2-Chlor-2-methylpropan  (M = 92.57 g / mol   d = 0.84 g / mL)
98-proz. 2-Brom-2-methylpropan  (M = 137.03 g / mol   d = 1.216 g / mL)
Aceton > 99.5 %  (M = 58.08 g / mol   d = 0.783 g / mL)

Geräte und Glaswaren:
Magnetrührer
2 Magnetrührstäbchen
Rührstabentferner
Kristallisierschale d = 190 mm, h = 90 mm  (für Wasserbad)
Becherglas 200 mL
Kontaktthermometer
Leitfähigkeitsprüfer
Temperatursonde
Mikropipette
Vollpipette 10 mL,
Vollpipette 20 mL
Vollpipette 50 mL
3 Peleusbälle


Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen:

Tertiäre Butylhalogenide schaden der Gesundheit, sofern sie eingeatmet oder verschluckt werden und reizen Haut und Augen.
Aceton ist leicht entzündlich. Reizt die Augen.

Schutzbrille, Schutzhandschuhe und gute Raumdurchlüftung erforderlich.


Theoretische Grundlagen:

Die tertiären Butylhalogenide werden bereits durch Wasser hydrolysiert.



Die Reaktion kann folglich durch Leitfähigkeitsmessung verfolgt werden. Durch Bestimmung der Leitfähigkeit als Funktion der Zeit lässt sich die Geschwindigkeitskonstante ermitteln.


Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)


Versuchsdurchführung:

Experiment 1: Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Polarität des Lösungsmittels




















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Abb. 1: Versuchsaufbau
Neben dem Leitfähigkeitsprüfer (1) ist auch eine Temperatursonde (2) über den Eingang Sensor2 an die CHEMBOX angeschlossen (Abb. 1).

In das Becherglas, das in das Wasserbad taucht, werden 100 mL 10 %ige wässerige Acetonlösung (90 mL dest. Wasser und 10 mL Aceton) vorgelegt. Mit Hilfe des Magnetrührers und eines Kontaktthermometers wird das Wasserbad auf die Reaktionstemperatur von ca 30 °C gebracht. Nach Temperaturkonstanz werden dem Wasser/Aceton-Gemisch mit einer Mikropipette 88 mL 2-Chlor-2-methylpropan (0.8 mmol) unter kräftigem Rühren zugefügt und sofort die Messung gestartet.

Der Messtakt beträgt 1 s. Temperaturkonstanz und sich ändernde Leitfähigkeit können am Bildschirm verfolgt werden (Abb. 2). Ist die Messwertaufnahme beendet, so wird die Messreihe gespeichert.

Wie beschrieben verfährt man mit einer 20, 30, 40 und 50 %igen wässerigen Acetonlösung.



Messbildschirm
Abb. 2: Echtzeit-Messung    Hydrolyse von tert. Butylchlorid in einem
Wasser/Aceton-Gemisch  (Wasser : Aceton = 9 : 1)    T = 30.2 °C



Versuchsauswertung:

Auswertung der mit der CHEMBOX erfassten Messdaten in Microsoft Excel - Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten k


Leitfähigkeitskurven
Abb. 3: Leitfähigkeitskurven   Hydrolyse von tert. Butylchlorid
in 10 %iger (1)  und  20 %iger Acetonlösung (2)    T = 30.2 °C


Leitfähigkeitskurven
Abb. 4: Leitfähigkeitskurven   Hydrolsye von tert. Butylchlorid
in 30 %iger (3),  40 %iger (4)  und  50 %iger Acetonlösung (5)    T = 30.2 °C


Messung 1 2 3 4 5
Acetonkonzentration 10 % 20 % 30 % 40 % 50 %
k¥ [ mS ] 0.7832 1.0330 1.3790 1.3480 0.7589
Tab. 1: k¥   =  Leitfähigkeitswert am Reaktionsende



Abb. 5: Abhängigkeit von k¥ von der Acetonkonzentration


Nach Fertigung der Diagramme der Auftragung von k gegen  t   (Abb. 3, 4)   erstellt man entsprechend   Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)  im Tabellenblatt
(Tab. 2)  einen Block, der die Auftragung von

-ln (0.008 · (1 - k / k ¥))

gegen t und somit die Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten ermöglicht  (Abb. 6).


Exceldatei
Tab. 2: Messwerte k (t)      Konversion gemäß  y = -ln (0.008 · (1 - k / k¥))


Geschwindigkeitskonstanten
Abb. 6: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten k
y = -ln (0.008 · (1 - k / k¥))


Messung 1 2 3 4 5
Acetonkonzentration 10 % 20 % 30 % 40 % 50 %
k [ s -1 ] 0.0215 0.0152 0.0091 0.0036 0.0015
Tab. 3: Geschwindigkeitskonstanten k


k / Acetonkonzentration
Abb. 7: Abhängigkeit der Geschwindigkeitskonstante k von der Acetonkonzentration


Deutung des Versuchsergebnisses:

Je polarer das Lösungsmittel um so schneller erfolgt die nucleophile Substitution. Der Grund liegt darin, dass polare Lösungsmittel für zwei Effekte verantwortlich zeichnen:
·   Sie stabilisieren die Carbokation-Zwischenstufe.
·   Polare Lösungsmittel verhindern, dass Carbokation und nucleofuge Gruppewieder zusammenkommen und dadurch der erste Reaktionsschritt der SN1 - Reaktion revidiert wird.

Im Bereich von 10 bis 30 %igem wässerigem Aceton nimmt die Reaktionsgeschwindigkeit linear mit der Acetonkonzentration ab.


Experiment 2: Einfluß der nucleofugen Gruppe auf die Reaktionsgeschwindigkeit

90 ml 2-Brom-2-methylpropan (0.8 mmol) werden in einem Wasser/Aceton-Gemisch (70 mL Wasser, 30 mL Aceton) bei ca 30 °C hydrolysiert.


Leitfähigkeitskurven
Abb. 8: Leitfähigkeitskurven
Hydrolyse von tert. Butylchlorid (1) und tert. Butylbromid (2) in 30 %iger Acetonlösung    T = 30.2 °C



Geschwindigkeitskonstanten
Abb. 9: Geschwindigkeitskonstanten k
Hydrolyse von tert. Butylchlorid (1) und tert. Butylbromid (2)   T = 30.2 °C
y = -ln (0.008 · (1 - k/ k¥))


Deutung des Versuchsergebnisses:

Das tertiäre Butylbromid reagiert viermal schneller als das tertiäre Butylchlorid.

·   Im geschwindigkeitsbestimmenden Schritt der SN1 - Reaktion wird das Alkylhalogenid (R - X) in ein positiv geladenes Carbokation und eine negativ geladene Abgangsgruppe gespalten. Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt nicht nur von der Polarität des Lösungsmittels und der Stabilität des Carbokations ab, sondern auch von der Stabilität der Abgangsgruppe. Je stabiler die Abgangsgruppe, desto leichter wird die R - X -Bindung gespalten und desto höher ist die Reaktionsgeschwindigkeit. Konjugierte Basen von starken Säuren sind gute Abgangsgruppen. Obiges Experiment zeigt, dass Bromid eine bessere Abgangsgruppe ist als Chlorid. Bromid ist eine schwächere Base als Chlorid. Die schwächere Base ist stabiler und wird leichter gebildet.

Relative Hydrolysegeschwindigkeit von R - X   (R  =  tertiäre Alkylgruppe)

X   =  J  >  Br  >  Cl


Anmerkung: SN1 - Reaktionen, in denen das Nukleophil auch das Lösungsmittel darstellt werden gemeinhin als Solvolysen bezeichnet. In solchen Fällen liegt eigentlich eine Reaktion pseudo-erster Ordnung vor.


Hinweise:
Computergestützte Experimente   Reaktionskinetik: Hydrolyse tertiärer Butylhalogenide - eine Reaktion erster Ordnung
Experimente in Projektion   Hydrolyse der tertiären Butylhalogenide
  Demonstrationsexperiment auf Video  Hydrolyse der tertiären Butylhalogenide
Rod Beavon   SN1 Nucleophilic Substitution unimolecular - Animation
SN1 Mechanism / SN2 Mechanism


Liste der Chembox-Experimente






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