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Computergestützte Experimente - Messung: Absorption

Reaktionskinetik
Bromierung reaktiver Aromaten - eine Reaktion pseudo-erster Ordnung

Ziel: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten und der Aktivierungsparameter

Peter Keusch



Messwerterfassung mit dem Programm CHEMEX und dem Analog-Digital-Wandler CHEMBOX
IBK electronic + informatic


English version





Chemikalien:
Essigsäure 90 %
0.02 M Brom in Essigsäure 90 %  (160 mg in 50 mL)
0.5 M Acetanilid in Essigsäure 90 %  (3.379 g in 50 mL)
0.5 M Diphenylether in Essigsäure 90 %  (4.255 g in 50 mL)
0.5 M p-Nitrophenol in Essigsäure 90 %  (3.478 g in 50 mL)

Geräte und Glaswaren:
Magnetrührer
Magnetrührstäbchen
Rührstabentferner
Kristallisierschale d = 140 mm, h = 75 mm  (für Wasserbad)
Kontaktthermometer
Thermometer 0 - 50 °C  (Auflösung: 0.1 °C)
Vollpipetten 2 mL
Vollpipetten 4 mL
2 Peleusbälle
Fotometer mit Schreiberausgang: Spectronic 20 Bausch & Lomb
Rundküvetten (Spectronic)
Entsorgungskanister


Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen:

4-Nitrophenol is giftig, möglicherweise mutagen. Gesundheitsgefährdend bei Verschlucken, Einatmung oder Aufnahme durch die Haut, ist ätzend und reizt Augen, Haut und Atmungswege.
Brom verursacht schwere Verätzungen Dämpfe reizen Augen und Schleimhäute.
Bromwasser ist gesundheitsschädigend. Es führt zur Reizung der Haut. Langer Kontakt kann den Augen schaden.
Essigsäure führt bei Einatmung zu Reizerscheinungen an den Atemwegen. Lungenentzündung, Bronchitis. Die Inhalation kann Ödeme im Respirationstrakt bewirken. Verätzungen bei Haut und Augenkontakt, sowie bei Verschlucken.

Schutzbrille und Handschuhe erforderlich. Die Bereitung der entsprechenden Lösungen und die Durchführung der einzelnen Experimente erfolgen im Abzug!



Theoretische Grundlagen:

Aromaten ohne aktivierende Substituenten reagieren mit Brom nur in Gegenwart von Lewissäuren (FeCl3, AlBr3 u. a.), die das Halogen stark polarisieren und dadurch den elektrophilen Angriff erleichtern. Reaktive Aromaten benötigen keine Katalysatoren.


Reaktionsgleichung
Abb. 1: Bromierung von Acetanilid














Die Geschwindigkeit der Reaktion ist von der Konzentration des Broms cBr und des Aromaten cAr abhängig (Reaktion 2. Ordnung). Unter den gegebenen Bedingungen (siehe Versuchsdurchführung) liegt eine Reaktion pseudo-erster Ordnung vor.



Kinetische Gleichungen
(Download PDF-Datei)



Während des Temperaturangleichs zwischen dem Wasserbad und der Reaktionslösung erfolgt die Justierung des Fotometers und die Vorbereitung der CHEMBOX für die Messung.

Kalibrierung des Fotometers und Anpassung des Programms Chemex

Spectronic 20 (Download) verfügt über einen analogen Ausgang an der Unterseite des Gerätes. Dieser wird mit dem Eingang Sensor1 der CHEMBOX verbunden.

Das Photometer wurde so konzipiert, dass bei einer Transmission von 100 % das analoge Signal an seinem Ausgang 1 Volt beträgt; sofern das Fotometer 0 % Transmission zeigt, ist die Ausgangsspannung 0 Volt.


Kalibrierung des Fotometers: Mit dem Wellenlängenknopf stellt man das Absorptionsmaximum der Bromlösung mit 420 nm ein. Nach erfolgtem Nullabgleich bringt man eine Küvette in den Strahlengang, die eine mit 0.02 molarer Brom-Lösung versetzte 0.5 molaren Lösung des Aromaten (2:1) enthält. Sobald das Transmissionsmaximum erreicht ist, wird das Fotometer auf die Transmission T = 100 % abgeglichen.

Anpassung des Programms: Über den Menüpunkt Optionen - Kalibrierung ist zunächst der Kalibrierdialog für den entsprechenden Eingang an der CHEMBOX zu aktivieren. In die Textfelder hinter  Ref1  bzw.  Ref2  trägt man zwei Eichwerte ein: bei Ref1 0,0V  und bei Ref2  1,0V.
Die Küvette wird aus dem Küvettenschacht genommen und Button Set hinter Ref1 geclickt. Nach Einsetzen der entfärbten Bromlösung clickt man  Set  hinter  Ref2.  Die beiden Buttons Set müssen mit einem grünen Häkchen versehen sein. Manchmal erscheint beim Klicken dieses Häkchen nicht. In solchen Fällen ist es ratsam, den Kalibriervorgang erneut durchzuführen.


Anpassung
Abb. 2: Anpassung des Programms



Einstellen - Kanäle definieren

Die Karteikarte Messen/Einstellen soll folgendes Bild haben:

Abb. 3: Kanalbelegung

Mit  K1  wird das kalibrierte Signal des Photometers bezeichnet. K1 · 100  steht für die Transmission T. Der andere Kanal verwendet ebenfalls das Signal  K1,  rechnet dieses jedoch über die Formel  2 - log (K1 · 100)  in den Wert für die Extinktion  E  um. Auf dem Meßbildschirm wird sowohl die Kurve für die Transmission als auch für die Extinktion dargestellt.


Versuchsdurchführung:

Versuchsaufbau
Abb. 4: Versuchsaufbau
In eine Küvette werden 2 mL der 0.5 molaren Lösung des Aromaten pipettiert. In eine zweite Küvette gibt man 4 mL der 0.02 molaren Bromlösung. Die beiden Küvetten werden anschließend mit Stativklammern in einem Wasserbad gehaltert, in das ein Kontaktthermometer und ein Thermometer mit 1/10 °C - Einteilung eintaucht  (Abb. 4).  Um Reaktionstemperaturen unterhalb der Raumtemperatur zu erhalten, wird dem Wasserbad Eis hinzugefügt.

Die beiden Lösungen werden auf die gewünschte Temperatut gebracht. Nach einem 15 minütigem Temperaturangleich notiert man die Reaktionstemperatur auf 1/10 °C.

Die Lösung des Aromaten wird nun zügig zu der Bromlösung gegossen. Sofern erforderlich wird die Aussenseite der Küvette mit Papier gut abgetrocknet. 2-3 maliges Invertieren der mit Parafilm verschlossenen Küvette sorgt für eine exakte Durchmischung der Reaktionslösung. Nachdem die Küvette in den Strahlengang des Fotometers gebracht ist wird die Messung gestartet. Der Messtakt beträgt 1 Sekunde.

Auf dem Messbildschirm kann sowohl der Verlauf der Transmission als auch der Extinktion verfolgt werden   (Abb. 5).

Es empfehlen sich folgende Temperaturbereiche: Für die Bromierung von Acetanilid 10 - 25 °C, für p-Nitrophenol 18 - 28 °C und für Diphenylether 40 - 55 °C.

Um die Bestimmung der Aktivierungsparameter zu ermöglichen, wird die Reaktion jeweils bei drei verschiedenen Temperaturen untersucht.



Echtzeit-Messung
Abb. 5: Echtzeit-Messung     Bromierung von Acetanilid bei 23.5 °C
Ermittlung der Halbwertszeit


Entsprechendes Positionieren des Maus-Cursors gestattet die Ermittlung der Halbwertszeit t 1/2 auf dem Messbildschirm  (Abb. 5  Cursor: Pfeil nach NW).  Auf obigem Messbildschirm sind drei aufeinander folgende Halbwertszeit-Perioden (18 s) illustriert. Der konstante Wert der Halbwertszeit beweist, dass eine Reaktion erster Ordnung vorliegt.


Versuchsauswertung:


Auswertung der bei der Bromierung von Acetanilid mit der CHEMBOX erfassten Messdaten in Microsoft Excel - Ermittlung der Geschwindigkeitskonstante k und der Aktivierungsparameter

Nach Fertigung des Diagramms der Auftragung von E gegen t  (Abb. 4)  erstellt man im Tabellenblatt  (Tab. 1 ) einen Block, der die Auftragung von -lnE gegen t ermöglicht 
(Abb. 6).


Excel
Tab. 1: Messwerte E(t)    Berechnung von -lnE


Extinktion
Abb. 6: Temperatureffekt    1:  12.6 °C     2:  17.5 °C     3:  23.5 °C


Die Proportionalitätskonstante k' läßt sich bereits aus den Messdaten ermitteln, indem man die Halbwertszeit t1/2 bestimmt und sie in  Gleichung (11)   Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)  einsetzt. Die Halbwertszeit kann der Messwerttabelle  (Tab. 1)  entnommen werden.



Messung

T [ °C ]
E0 / 2
t1/2 [ s ]
k' [ s-1 ]
1
12.6
0.7155
34
0.0204
2
17.5
0.669
25
0.0277
3
23.5
0.6525
18
0.0385
Tab. 2: Proportionalitätskonstanten k'


k' erhält man auch bereits in der Auftragung von  E  gegen t, wenn man bis zu einem Reaktionsumsatz von 80 bis 90% durch die Messpunkte entsprechend Gleichung (7)  Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)  eine Exponentialkurve legt Die entsprechenden Messwertpaare werden im Tabellenblatt synchron markiert, kopiert und im Diagramm unter dem Menüpunkt   'Bearbeiten ® Inhalte einfügen’  eingefügt. Excel wird mitgeteilt, daß die kopierten Zellen als  ‘neue Datenreihe'  eingefügt werden sollen, die Werte (Y) aus   ‘Spalten’  stammen und die   ‘Rubriken (X - Achsenwerte) in erster Spalte’  stehen. Nach Click mit der rechten Maustaste auf einen der markierten Messpunkte  (Abb. 4)  ist   ‘Trennlinie einfügen® Exponentiell’  zu wählen und der sich öffnende Dialog zu bestätigen. Durch Click mit der linken Maustaste auf die Ausgleichskurve läßt sich unter  'Optionen ® Formel eingeben’  die Funktionsgleichung   y = ae-bx  ermitteln. Der Koeffizient vor x gibt den Wert für die Proportionaliätskonstante  k'  an  (Abb. 5).


k'
Abb. 7: Ermittlung der Proportionalitätskonstanten k'


Letztendlich resultiert die Proportionalitätskonstante  k'  gemäß Gleichung (9)  Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)   aus der Auftragung von  -lnE  gegen  t. Bis zu einem Reaktionsumsatz von 80 bis 90% wird durch die Messpunkte eine Ausgleichsgerade gelegt. Nach Click mit der rechten Maustaste auf einen der Messpunkte ist   ‘Trennlinie einfügen® Linear’  zu wählen und der sich öffnende Dialog zu bestätigen. Durch Click mit der linken Maustaste auf die Ausgleichsgerade läßt sich unter   'Optionen ® Formel eingeben’  die Funktionsgleichung  y = ax + b  ermitteln. Der Koeffizient vor x gibt den Wert für die Proportionaliätskonstante  k'   ( Abb. 7 ) an.


Proportionalitätskonstanten
Abb. 8: Ermittlung der Proportionalitätskonstanten k'



Messung

T [ °C ]
k' [ s-1 ]
k [ L · mol -1 · s -1 ]
1
12.6
0.0205
0.1093
2
17.5
0.0280
0.1493
3
23.5
0.0386
0.2059
Tab. 3: Berechnung der Geschwindigkeitskonstanten k
(Gemäß Reaktionsansatz gilt: k = k' / 0.1875)


Trägt man die Geschwindigkeitkonstanten und die entsprechenden Reaktionstemperaturen in die Tabelle der Excel-Datei   Aktivierungsparameter (Download)  ein, so werden alle Aktivierungsparameter  (Tab. 4)  errechnet und in einem Diagramm die Auftragungen nach ARRHENIUS und EYRING  (Abb. 7)  realisiert.


Aktivierungsparameter
Tab. 4: Berechnung der Aktivierungsparameter


Arrhenius und Eyring
Abb. 9: ARRHENIUS- (1) und EYRING-Plot (2)




Acetanilid

p-Nitrophenol
Diphenylether
Ea [ kJ · mol -1 ]
40.9
41.3
47.7
lnA
15
14.8
13.9
DH¹ [ kJ · mol -1 ]
38.5
38.8
45
DS¹ [ J · mol -1· K -1 ]
- 128
- 130
- 138
DG¹ [ kJ · mol -1 ]
bei 303.15 K
77.3
78.2
86.8
Tab. 4: Aktivierungsparameter im Vergleich


Deutung des Versuchsergebnisses:


formula
Abb. 10: Diphenylether  (1)     p-Nitrophenol  (2)     Acetanilid  (3)


Die unterschiedliche Reaktivität der vorliegenden Aromaten (Diphenylether << p-Nitrophenol < Acetanilid) beruht auf den unterschiedlichen Subsituenten. Die Tatsache, daß sich die Substituenteneffekte aus I - Effekt und M - Effekt zusammensetzen, macht ihre quantitative Deutung schwierig.

·   Im Acetanilid übt die Acetylamino-Gruppe einen starken + M-Effekt und schwachen - I-Effekt aus. Die Elektronendichte im Kern und somit die Reaktionsgeschwindigkeit sind merklich erhöht.

·   Auch die Hydroxyl-Gruppe des p-Nitrophenols hat einen starken + M - Effekt und schwachen - I-Effekt. Allerdings wird die aktivierende Wirkung der OH Gruppe durch den - I - Effekt und - M - Effekt der Nitro-Gruppe stark gemindert. Die Substitutionsreaktion läuft langsam ab.


Hinweise:
Kirsten, Burkhard  Substituenteneffekte am Benzolring bei Zweitsubstitution
Substituent Effects


Liste der Chembox-Experimente






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