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Computergestützte Experimente - Messung: Leitfähigkeit

Reaktionskinetik
Hydrolyse von Benzoylchlorid - eine Reaktion erster Ordnung

Ziel: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten und der Aktivierungsparameter

Peter Keusch



Messwerterfassung mit dem Programm CHEMEX und dem Analog-Digital-Wandler CHEMBOX
IBK electronic + informatic




English version



Chemikalien:
Benzoylchorid  (M = 140.57 g / mol, d = 1.215 g / mL)
Ethanol 99 %


Geräte und Glaswaren:
Magnetrührer
2 Magnet-Rührstäbchen
Rührstabentferner
Kristallisierschale 190 × 90  (für Wasserbad)
6 Bechergläser 250 mL
Kontaktthermometer
Temperatursensor
Leitfähigkeitsprüfer
Vollpipette 50 mL
2 Pipetten 10 mL
Mikropipette
Peleusball


Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen:

Benzoylchlorid ist ein Gift, möglicherweise gar carcinogen. Ätzend - verursacht ernste Verbrennungen. Starkes Reizmittel für die Haut, die Augen und die Atemwege.
Ethanol ist leicht entzündlich.

Schutzbrille und Schutzhandschuhe erforderlich. Das Experiment ist im Abzug durchzuführen!


Theoretische Grundlagen:

Benzoylchlorid wird durch wässerige Ethanollösung hydrolysiert.











Die Reaktion kann folglich durch Leitfähigkeitsmessung verfolgt werden.



Experiment 1: Nachweis einer Reaktion erster Ordnung


Versuchsdurchführung:

Neben dem Leitfähigkeitsprüfer  (1)  ist auch eine Temperatursonde  (2)  über den Eingang Sensor2 an die CHEMBOX angeschlossen  (Abb. 1).


Abb. 1: Versuchsaufbau
In das Becherglas, das in das Wasserbad taucht, werden 100 mL 99 % Ethanol vorgelegt. Mit Hilfe des Magnetrührers und eines Kontaktthermometers wird das Wasserbad auf ca 50 °C erwärmt.

Nach Temperaturkonstanz werden mit einer Mikropipette 92.6 ml Benzoylchlorid (0.8 mmol) unter kräftigem Rühren zugefügt und sofort die Messung gestartet.

Der Messtakt beträgt 1 s. Temperaturkonstanz und sich ändernde Leitfähigkeit können am Bildschirm verfolgt werden  (Abb. 2).  Ist die Reaktion beendet, so wird die Messreihe gespeichert.

Wie beschrieben verfährt man mit 68.5 mL Benzoylchlorid (0.6 mmol) und mit 46.3 mL Benzoylchlorid (0.4 mmol). Alle Experimente werden bei der gleichen Reaktionstemperatur durchgeführt.


Messbildschirm
Abb. 2: Auswertungsbildschirm     Hydrolyse von Benzoylchlorid bei unterschiedlichen Konzentrationen     T = 50.4 °C
1:   0.4 mmol     2:   0.6 mmol     3:   0.8 mmol     in 99 % Ethanol


Versuchsauswertung:

Ermittlung der Halbwertszeit und Berechnung der Geschwindigkeitskonstanten

Bei einer Reaktion erster Ordnung lassen sich die Geschwindigkeitskonstanten aus der Halbwertszeit ermitteln. Unter der Halbwertszeit t1/2 versteht man die Zeit, bei der ein Reaktionsumsatz von 50 % zu verzeichnen ist. t1/2 kann bereits auf dem Messbildschirm mit großer Genauigkeit ermittelt werden. Die Geschwindigkeitskonstante k errechnet sich entsprechend  Gleichung (8)  Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei).


0.4 mmol 0.6 mmol 0.8 mmol
k¥ [ mS ] 394 554 720
k¥ / 2 [ mS ] 197 277 360
t½ [ s ] 64.4 59.6 61.8
k [ s -1 ] 0.0108 0.0116 0.0112
Tab. 1: Halbwertszeit t1/2 und Geschwindigkeitskonstante k


Auswertung der Messdaten in Microsoft Excel     Bestimmung der Geschwindigkeitskonstante k


Entsprechend  Gleichung (6)  Kinetische Gleichungen (Download PDF-Datei)  erstellt man im Tabellenblatt (Tab. 1) einen Block, der die Auftragung von

-ln (x · (1 - k / k ¥))
x  =  0.004  (0.006,   0.008

gegen tund somit die Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten ermöglicht  (Abb. 3).



Tab. 2: Messwerte k (t)     Konversion gemäß y = -ln (x · (1 - k / k¥))
x  =  0.004  (0.006,   0.008



Abb 3: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten k
1:  y = -ln (0.004 · (1 - k / k¥))     2:  y = -ln (0.006 · (1 - k / k¥))     3:  y = -ln (0.008 · (1 - k / k¥))


0.4 mmol 0.6 mmol 0.8 mmol
k [ s -1 ] 0.0110 0.0111 0.0113
Tab. 3: Geschwindigkeitskonstanten k


Deutung des Versuchsergebnisses:

Da eine Reaktion erster Ordnung vorliegt ist die Halbwertszeit von der Anfangskonzentation des Benzoylchlorids unabhängig.


Experiment 2: Einfluss des Lösungsmittels auf die Geschwindigkeitskonstante

0.8 mmol Benzoylchorid werden bei 53.4 °C mit 100 mL wässeriger Ethanollösung und bei 46.4 °C mit 100 mL wässeriger Acetonlösung umgesetzt.


Ls1
Abb. 4: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstante k
1:  99 %     2:  98 %     3:  97 %     4:  96 %     5:  95%    EtOH
y = -ln (0.008 · (1 - k / k¥))


ls2
Abb. 5: Abhängigkeit der Geschwindigkeitskonstante k von der Ethanolkonzentration


ls3
Abb. 6: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstante k
1:  80 %     2:  70 %     3:  60 %     4:  55 %     5:  52.55 %     6:   50 %    Aceton
y = -ln (0.008 · (1 - k / k¥))


Ls4
Abb. 7: Abhängigkeit der Geschwindigkeitskonstante k von der Acetonkonzentration



Experiment 3: Ermittlung der Aktivierungsparameter

Versuchsdurchführung:


0.8 mmol Benzoylchorid werden in 100 mL 99 % Ethanol bei drei verschiedenen Reaktionstemperaturen umgesetzt.

Versuchsauswertung:

Auswertung der Messdaten in Microsoft Excel - Bestimmung der Geschwindigkeitskonstante k und der Aktivierungsparameter



Abb 8: Leitfähigkeitskurven
1:  45.7 °C     2:  51.2 °C     3:  54.4 °C



Abb. 9: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten k
y = -ln (0.008 · (1 - k / k¥))


45.7 [ °C ] 51.2 [ °C ] 54.4 [ °C ]
k [ s -1 ] 0.0079 0.0122 0.0156
Tab. 4: Geschwindigkeitskonstanten k


Trägt man die Geschwindigkeitkonstanten und die entsprechenden Reaktionstemperaturen in die Tabelle der Excel-Datei   Aktivierungsparameter (Download)  ein, so werden alle Aktivierungsparameter  (Tab. 5)  errechnet und in einem Diagramm die Auftragungen nach ARRHENIUS und EYRING  ( Abb. 5)  realisiert.

 Aktivierungsparameter
Tab. 5: Berechnung der Aktivierungsparameter


ARRHENIUS und EYRING
Abb. 10: Auftragung nach ARRHENIUS (1) und EYRING (2)



Experiment 4: Ermittlung der Aktivierungsparameter

Versuchsdurchführung:


0.8 mmol Benzoylchorid werden in 100 ml einer wässerigen Acetonlösung (Aceton : Wasser = 50 : 50) bei drei verschiedenen Reaktionstemperaturen umgesetzt.

Versuchsauswertung:

Auswertung der Messdaten in Microsoft Excel - Bestimmung der Geschwindigkeitskonstante k und der Aktivierungsparameter


Leitfähigkeit
Abb 11: Leitfähigkeitskurven   
1:  24.36 °C     2:  28.42 °C     3:  32.77 °C


Geschwindigkeitskonstante
Abb. 12: Ermittlung der Geschwindigkeitskonstanten k
y = -ln (0.008 · (1 - k / k¥))


24.4 [ °C ] 28.4 [ °C ] 32.8 [ °C ]
k [ s -1 ] 0.0092 0.0143 0.0220
Tab. 6: Geschwindigkeitskonstanten k



Aktivierungsparameter
Tab. 7: Berechnung der Aktivierungsparameter


Arrhenius und Eyring
Abb. 13: Auftragung nach ARRHENIUS (1) und EYRING (2)



Anmerkung: SN - Reaktionen, in denen das Nukleophil auch das Lösungsmittel darstellt werden gemeinhin als Solvolysen bezeichnet. In solchen Fällen liegt eigentlich eine Reaktion pseudo-erster Ordnung vor.


Liste der Chembox-Experimente






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